BGH: Abbruch einer eBay-Auktion bei Höchstgebot von einem Euro

Stellt ein Verkäufer einen Gebrauchtwagen bei eBay zum Verkauf in einer Auktion mit einem Startpreis von einem Euro ein, ist dieses Angebot im Hinblick auf die AGB des Plattformbetreibers so auszulegen, dass der Anbietende ein bindendes Angebot abgibt, mit dem Höchstbietenden innerhalb des Auktionszeitraumes zu kontrahieren, sofern die Auktion nicht berechtigt vorzeitig beendet wird. Der zwischenzeitliche Verkauf an einen Dritten stellt keinen Grund für eine berechtigte vorzeitige Beendigung der Auktion dar. Beendet der Verkäufer die Auktion ohne berechtigten Grund vorzeitig, kommt der Vertrag mit dem Höchstbietenden auch dann zu stände, wenn bislang nur ein einziges Gebot und das auch nur in Höhe von einem Euro abgegeben worden ist. Weil ein solches Gebot dem Auktionsmechanismus entspricht, lässt sich aus dem auffälligen Missverhältnis des Gebots zum Wert des verkauften Gegenstandes nicht auf eine verwerfliche Gesinnung schließen, die zur Sittenwidrigkeit nach § 138 Abs. 1 BGB führen würde. Auch stellt die Berufung auf einen Vertrag, der infolge des unberechtigten Abbruchs der Auktion mit dem Kaufpreis in Höhe von einem Euro zu stande kam, keine nach § 242 BGB unzulässige Rechtsausübung dar, weil das Verhältnis von Leistung und Gegenleistung auf das Verhalten des Verkäufers zurückgeht.

BGH, Urt. v. 12.11.2014, VIII ZR 42/14 bislang nur Pressemitteilung veröffentlicht: http://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&sid=596d1e1bd1e227fcc06022671ae3b86a&nr=69385&linked=pm&Blank=1